Richtlinie (EU) 2023/970 · Artikel 4

Gleichwertige Arbeit feststellen

Der schwierigste und am häufigsten übergangene Schritt der Richtlinie: verschiedene Tätigkeiten objektiv vergleichen – nicht nach Titel und nicht nach Marktwert.

Gleichwertig, nicht nur gleich

Die Richtlinie verlangt gleiches Entgelt für gleiche Arbeit und für gleichwertige Arbeit – über unterschiedliche Tätigkeiten hinweg. Eine Lagerleitung und eine Teamleitung im Callcenter können sehr verschiedene Tätigkeiten von vergleichbarem Wert ausüben. Diesen Vergleich objektiv herzustellen, statt anzunehmen, der Markt habe ihn bereits fair bepreist, ist die Pflicht, die Arbeitgeber am häufigsten unterschätzen.

Der Vier-Faktoren-Test

Gleichwertige Arbeit wird anhand objektiver, geschlechtsneutraler Kriterien beurteilt, die sich in vier Faktoren gliedern: Fähigkeiten, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Ein analytisches System zur Arbeitsbewertung bewertet jede Rolle anhand dieser Faktoren und erzeugt einen Wert, der sich organisationsweit vergleichen lässt – die Grundlage, die die Richtlinie zu verteidigen verlangt.

Warum Gehaltsbenchmarking nicht ausreicht

Den Wert einer Rolle aus Marktdaten abzuleiten, schreibt bestehende Verzerrungen unmittelbar in Ihre Ausgangsbasis fort – unterbezahlt der Markt eine überwiegend von Frauen ausgeübte Rolle, reproduziert Benchmarking dieses Gefälle und nennt es fair. Eine Arbeitsbewertung ist der eigentliche Test der Richtlinie für gleichwertige Arbeit und lässt sich nur schwer auf ein Benchmarking-Produkt nachrüsten.

Frequently asked

Was bedeutet „gleichwertige Arbeit“?

Tätigkeiten, die unterschiedlich, aber vergleichbar sind, wenn man sie objektiv nach Fähigkeiten, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen beurteilt. Die Richtlinie verlangt gleiches Entgelt über solche Tätigkeiten hinweg, nicht nur für identische.

Reicht Gehaltsbenchmarking als Nachweis gleichwertiger Arbeit?

Nein. Marktdaten spiegeln bestehende Entgeltmuster wider, einschließlich eingebauter Verzerrungen. Die Richtlinie erwartet eine objektive, geschlechtsneutrale Bewertungsmethode, keinen Marktwert-Ersatz.

Was ist ein geschlechtsneutrales System zur Arbeitsbewertung?

Eine analytische Methode, die jede Rolle anhand derselben objektiven Faktoren bewertet – Fähigkeiten, Belastung, Verantwortung, Arbeitsbedingungen – damit verschiedene Tätigkeiten nach Wert statt nach Titel oder Entgelthistorie verglichen werden.

Auf Grundlage der Richtlinie (EU) 2023/970, Art. 4, über EUR-Lex sowie EIGE-Leitlinien zur Arbeitsbewertung. Bitte mit Ihrer nationalen Umsetzung abgleichen.

Design-Partner werden Wissen